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Das Softwarekonzept von MaxMSP/Jitter

23. Jan. 2007 Von: Johann Moser Kategorie: Info: Realtime Processing Keine Kommentare →

https://www.jomo.org/index.php/das-softwarekonzept-von-maxmspjitter
gedruckt am 26. Nov. 2020

MaxMSP/Jitter ist eine grafische Programmieroberfläche zur Steuerung audiovisueller Daten. Audiovisuelle Daten können mit vorbereiteten patchern in Echtzeit bearbeitet werden, wesentliche Merkmale der Software sind die Aspekte Dynamik (automatische und gelenkt-zufallsgesteuerte Prozesse) und Interaktivität (Steuerung der Parameter mit Maus, Tastatur, externen Controllern, Temperatur-, Infrarot-, Druck-Sensoren, Videokamera- und Mikrofon-Input, Quicktime-Movies oder Audiofiles). MaxMSP/Jitter wird vor allem im Bereich automatisierter oder interaktiver Installationen eingesetzt.

Die Software ist in zwei Teilen erhältlich: MaxMSP dient der Steuerung von Audiodaten (MultiSignalProcessing) und ist aus einer Kombination von Max und MSP entstanden. Max war ursprünglich eine Software zur Steuerung von MIDI-Daten, MSP eine Erweiterung (über 200 Objekte) für Soundprocessing mit Max. Jitter ist eine Erweiterung von MaxMSP um etwa 150 Videoprocessing-Objekte zur Echtzeit-Bearbeitung von Foto, Grafik, Video, Text (Typo).

Bei den Objekten handelt es sich vorwiegend um sehr rudimentäre Eingriffe in audiovisuelle Daten. Mit der Kenntnis bereits einiger Objekte können interessante Ergebnisse erzielt werden. Je nach Kenntnis von Objekten, dem Interesse und der Fähigkeit am Tüfteln, der Charakteristik des eingesetzten Audio-, Bild-, Videomaterials und der eigenen Phantasie und Kreativität können mit einer Kombination verschiedener Processing-Objekte sehr vielfältige und individuelle audiovisuelle Werke geschaffen werden. Diese Werke können in Echtzeit abgespielt bzw. projiziert werden und/oder als Video-, Bild-, bzw. Audiofile gespeichert werden.

Grundsätzliche Softwarephilosophie ist das Auslösen (triggern) von Bearbeitungs- bzw. Rechenprozessen. Diese Prozesse werden interaktiv, automatisch oder zeitgesteuert ausgelöst, mit Hilfe von Parameterwerten werden den Objekten die entsprechenden Anleitungen übergeben. Grundsätzlich beginnt man mit einfachen Modellen (mit statischen Parametern), die man sukzessive durch Dynamisierung der Parameter verfeinert. Die Software ist hervorragend dokumentiert, für jedes Objekt gibt es ausführliche Helpfiles, die eigentlich fertige Beispiel-Patcher mit jeweils allen für das Objekt einsetzbaren Parametern sind. Diese Helpfiles können als fertige Patcher getestet und die für das eigene Projekt benötigten Teile ins eigene Projekt kopiert werden.

Komplexere Projekte werden modulartig strukturiert: Die dem eigenen Arbeitsstil entsprechenden Teilmodule werden als eigene Objekte (abstractions) gespeichert und sind für weitere Projekte verfügbar. Auf diese Weise ist es möglich, sich eigene Bibliotheken von Teilmodulen zu erstellen und diese mit anderen Personen aus der Max-Community zutauschen. Im Internet gibt es eine Reihe von frei verfügbaren MaxMSP/Jitter-Bibliotheken zum Download.

MaxMSP/Jitter wird durch Download erworben und mit einem challenge-response-Code freigeschaltet. Die aktuellen Preise sind auf http://www.cycling74.com angeführt, es gibt StudentInnen-Rabbat sowie 30-Tage-Testversionen.