{"id":149,"date":"2007-05-25T15:59:35","date_gmt":"2007-05-25T14:59:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jomo.org\/?p=149"},"modified":"2021-04-29T11:36:00","modified_gmt":"2021-04-29T10:36:00","slug":"betreutes-uben-betreutes-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jomo.org\/index.php\/betreutes-uben-betreutes-lernen","title":{"rendered":"Betreutes \u00dcben &#8211; betreutes Lernen"},"content":{"rendered":"<p>Klassisches Lernen findet zumeist immer noch (nur) zweistufig statt: In der Schule wird von der Lehrkraft ein Thema erkl\u00e4rt und dann gibt es die Haus\u00fcbung. Sch\u00fcler\/innen, die leicht lernen, ben\u00f6tigen nur wenig Haus\u00fcbung, Sch\u00fcler\/innen, die sich schwerer tun, kommen mit der Haus\u00fcbung alleine nicht so gut zurecht. Oft wird die Haus\u00fcbung nur abgeschrieben, das Lernen durch \u00dcben hat einen gro\u00dfen Unlustfaktor, weil es zudem zur Freizeit in Konkurrenzverh\u00e4ltnis steht und auch meist alleine ge\u00fcbt wird.<\/p>\n<div>Als Ausweg mache ich gute Erfahrung mit <em>betreutem \u00dcben bzw. betreutem Lernen<\/em>: Als Zwischenphase gibt es ausf\u00fchrliche \u00dcbungsphasen w\u00e4hrend der Unterrichtsstunden, die Sch\u00fcler\/innen organisieren sich selber in kleinen Gruppen und setzen sich selbst\u00e4ndig mit den Aufgaben auseinander. Das f\u00fchrt zu erh\u00f6hter Lernaktivit\u00e4t, zu Diskussion und Argumentation. Zugleich kann ich als Lehrer im Problemfall helfen und ich kann die Sch\u00fcler\/innen in ihrer Arbeit beobachten und ihren Wissensstand, ihr Engagement, ihre L\u00f6sungskapazit\u00e4t, etc. gut einsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Erst nach einer ersten \u00dcbungsphase (ein bis zwei Unterrichtsstunden) vergleichen wir gemeinsam L\u00f6sungen, L\u00f6sungswege und besprechen Probleme in der Auffassung von Aufgaben und Themen, b\u00fcndeln das erarbeitete Wissen, die Fertigkeiten und schaffen es, dass alle die richtigen L\u00f6sungswege in ihren Mitschriften haben.<\/p>\n<p>Dieses betreute gemeinsame \u00dcben hat noch den Vorteil, dass Sch\u00fcler\/innen ihr <em>eigenes Lern-Tempo<\/em> einschlagen k\u00f6nnen (wenn schlechtere Sch\u00fcler\/innen gemeinsam arbeiten) oder dass langsamere oder schlechtere Sch\u00fcler\/innen von besseren profitieren. Homogene Gruppen mit guten Sch\u00fcler\/innen k\u00f6nnen die Aufgaben schneller l\u00f6sen und zu anspruchsvolleren Aufgaben vordringen und erfahren auf diese Weise eine Art von Begabtenf\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Bei Bedarf kann ich mich als Lehrkraft einer einzelnen Gruppe etwas l\u00e4nger widmen und lernschwachen Sch\u00fcler\/innen noch einmal erkl\u00e4ren, lernfreudigen Sch\u00fcler\/innen spezielle Anregungen geben. Lernschwachen Sch\u00fcler\/innen empfehle ich, die gemeinsam gel\u00f6sten \u00dcbungen zu Hause noch einmal allein zu l\u00f6sen, auf Korrektheit und eventuell auch auf die ben\u00f6tigte Zeit zu achten.<\/p>\n<p>Das betreute \u00dcben sorgt meist f\u00fcr heitere und positive Lernstimmung &#8211; auch unmittelbar vor Schularbeiten. Dass allerdings auch auf diesem Wege nicht alle Sch\u00fcler\/innen eine entsprechende Lernbereitschaft zeigen, nehme ich zur Kenntnis, daf\u00fcr gibt es viele zumeist pers\u00f6nliche Gr\u00fcnde, die nicht unbedingt am Unterricht und in der Schule zu finden sind. Der \u00fcberwiegende Teil der Sch\u00fcler\/innen profitiert auf jeden Fall, und zwar interessanterweise auf allen Lern-Niveaus.<\/p>\n<p>Das betreute \u00dcben und Lernen habe ich hier aus der Perspektive des Mathematik-Unterrichts beschrieben. Das l\u00e4\u00dft sich in allen anderen F\u00e4chern ebenso verwirklichen. In Fremdsprachen w\u00fcrde ich auch gemeinsame Vokabel- bzw. Grammatik-Lernphasen einf\u00fchren (weil es in kleinen Gruppen einfach interessanter und abwechslungsreicher ist). Sch\u00fcler-Referate bzw. Zusammenfassung von Sachgebieten k\u00f6nnten zumindest teilweise in der Unterrichtszeit erarbeitet werden und dadurch den Aktivit\u00e4tspegel der Sch\u00fcler\/innen deutlich erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Weniger halte ich dagegen von Unterrichtsformen, in denen sich Sch\u00fcler\/innen die Lerngebiete (F\u00e4cher) selber einteilen und fachfremde Lehrkr\u00e4fte lediglich Aufsicht f\u00fchren. Die zumindest in h\u00f6heren Schulen n\u00f6tige <em>Hilfestellung<\/em> (f\u00fcr Schwache) bzw. <em>Anregung<\/em> (f\u00fcr Leistungsst\u00e4rkere) seitens der Lehrkraft und die entsprechende <em>Beobachtung der Leistungsniveaus<\/em> wird dadurch unn\u00f6tig vernachl\u00e4ssigt und damit werden entsprechende <em>unterrichtsimmanente<\/em> F\u00f6rder-Chancen vergeben.<\/p>\n<p>Das betreute \u00dcben und Lernen gibt der von Theodor W. Adorno bzw. Konrad Paul Lissmann geforderten Mu\u00dfe in der Bildung ihrem Raum &#8211; siehe: <a href=\"..\/edu\/edu.asp?typ=Mathematik&amp;artikel=66\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zur Theorie der Unbildung<\/a> &#8211; da die individuell n\u00f6tige Lernzeit Ber\u00fccksichtigung findet.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klassisches Lernen findet zumeist immer noch (nur) zweistufig statt: In der Schule wird von der Lehrkraft ein Thema erkl\u00e4rt und dann gibt es die Haus\u00fcbung. Sch\u00fcler\/innen, die leicht lernen, ben\u00f6tigen nur wenig Haus\u00fcbung, Sch\u00fcler\/innen, die sich schwerer tun, kommen mit der Haus\u00fcbung alleine nicht so gut zurecht. 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