{"id":143,"date":"2007-05-23T15:55:34","date_gmt":"2007-05-23T14:55:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jomo.org\/?p=143"},"modified":"2021-04-29T11:44:05","modified_gmt":"2021-04-29T10:44:05","slug":"es-wird-zu-viel-gerechnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jomo.org\/index.php\/es-wird-zu-viel-gerechnet","title":{"rendered":"Es wird zu viel gerechnet"},"content":{"rendered":"<p>Folgende Gedanken geben einen kleinen Einblick in mein p\u00e4dagogisches Konzept als Mathematiklehrer.<\/p>\n<div><strong>Es wird zu viel gerechnet<\/strong><br \/><em>&#8222;Es wird zu viel gerechnet und zu wenig interpretiert, dargestellt und begr\u00fcndet. Man muss mathematische Kurven nicht nur zeichnen, sondern auch lesen k\u00f6nnen. International wird seit Langem gefordert, die kommunikative Komponente der Mathematik zu forcieren. Pisa geht in diese Richtung.&#8220;<\/em><br \/>(Didaktikprofessor Werner Peschek von der Abteilung f\u00fcr Didaktik der Mathematik an der Uni Klagenfurt im Gespr\u00e4ch mit dem STANDARD: http:\/\/derstandard.at\/?url=\/?id=1885910)\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>PISA &#8211; wenig Kreativit\u00e4t<\/strong><br \/>Die Schw\u00e4chen der Sch\u00fcler l\u00e4gen vor allem dort, wo es gelte, anspruchsvollere Aufgaben zu l\u00f6sen, sagte Haider &#8211; etwa wenn es um das &#8222;Verstehen komplexer Zusammenh\u00e4nge&#8220;, um das &#8222;Interpretieren von Daten&#8220; und um das &#8222;Argumentieren und Schl\u00fcsse ziehen&#8220; gehe. Besonders schwer falle es ihnen, ein Problem unter verschiedenen Perspektiven zu betrachten, nach alternativen L\u00f6sungen zu suchen und triftige Argumente f\u00fcr Meinungen und Gegenmeinungen zu finden.<br \/>(aus: PISA-Leiter Haider: \u00d6sterreich ist Mittelma\u00df, derStandard.at, 24. November 2004)<\/p>\n<p><strong>Verstehen, Modellieren und Analysieren von Zusammenh\u00e4ngen<\/strong><br \/>Bereits 15 Jahre vor diesen Analysen haben ein paar Mathematik-Lehrer an Handelsakademien in Ober\u00f6sterreich die Frage nach einem sinnvolleren Mathematik-Unterricht gestellt. Neben p\u00e4dagogischen Analysen k\u00f6nnen auch neue Technologien &#8211; leistungsstarke Taschenrechner und PC &#8211; eine qualitative Ver\u00e4nderung des Unterrichts erm\u00f6glichen: nicht mehr das Durchrechnen mit Hilfe von vorgegebenen Formeln steht im Mittelpunkt des Unterrichts, sondern das Verstehen, Modellieren und Analysieren von Zusammenh\u00e4ngen. Die M\u00f6glichkeiten, welche Computer und leistungsstarke Taschenrechner bieten, werden zur Weiterentwicklung des Unterrichts gen\u00fctzt. Nat\u00fcrlich ist damit auch der weitgehende Verzicht auf manch &#8222;liebgewonnene&#8220; Algorithmen verbunden. Die Kulturtechniken haben sich verschoben &#8211; vom &#8222;Kopfrechnen&#8220; zum &#8222;Knopfrechnen&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Relevanz der Mathematik<\/strong><br \/>Hinter den Kulissen unserer Kultur finden sich \u00fcberall mathematische Konzepte. Der Unterricht soll diese Relevanz der Mathematik f\u00fcr gesellschaftlich und wirtschaftlich wichtige Bereiche erfahrbar machen. Ein Schwerpunkt der p\u00e4dagogischen Betreuung von Mathematiklehrer\/innen wird wohl das Verf\u00fcgbarmachen bew\u00e4ltigbarer Anwendungen sein.<\/p>\n<p><strong>Das vorliegende Projekt<\/strong><br \/>Die allm\u00e4hlich erweiterten Webseiten dieses Projekts k\u00f6nnen einen kleinen Einblick in ein neues Unterrichtskonzept geben und sollen zugleich f\u00fcr alle Mathematiklehrer\/innen &#8211; aber auch allen an angewandter Mathematik Interessierten &#8211; Unterlagen und Anregungen bereitstellen. Das vorliegende Web-Projekt ist nicht als Gesamtkonzept eines Mathematik-Unterrichts zu verstehen, sondern &#8211; zumindest vorl\u00e4ufig &#8211; eine &#8222;Lose-Blatt-Sammlung&#8220;, eine Dokumentation von mir verwendeter bzw. erstellter Unterlagen, soweit sie von der traditionellen Norm des Unterrichts abweichen.<\/p>\n<p><strong>Warum ich kein Schulbuch verwende<\/strong><br \/>Die Unterlagen sind unabh\u00e4ngig von der Wahl eines Schulbuches verwendbar, ebenso wird wohl\u00fcberlegt auf die Verwendung eines bestimmten Taschenrechners oder spezieller PC-Software verzichtet. Die Verwendung einer Tabellenkalkulation hingegen ist aus verschiedenen Gr\u00fcnden w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<ul>\n<li>Sie werden hier Hintergrundinformationen f\u00fcr Lehrer\/innen finden,<\/li>\n<li>andere Unterlagen dienen als Arbeitsbl\u00e4tter (die an eigene Bed\u00fcrfnisse angepa\u00dft und \u00fcberarbeitet werden k\u00f6nnen),<\/li>\n<li>dar\u00fcber hinaus gibt es interaktive Seiten &#8211; Sch\u00fcler\/innen k\u00f6nnen direkt &#8222;am Netz&#8220; im Unterricht oder zu Hause Aufgaben bearbeiten und Analysen vornehmen.<\/li>\n<li>Ich verwende im Unterricht seit Jahren kein Schulbuch mehr. Das hat zur Folge, dass ich viel konsequenter auf Anregungen, Fragen, Interessen von Sch\u00fcler\/innen eingehen kann. Diese Freiheit w\u00fcnsche ich allen meinen Kolleg\/innen. Der Unterricht erh\u00e4lt dadurch eine andere Dynamik &#8211; es ist nicht mehr egal, wer als Sch\u00fcler\/in in der Klasse sitzt. Klarerweise bleibt dabei der Lehrplan der Leitfaden f\u00fcr den Unterricht, die Zug\u00e4nge zu den Themen k\u00f6nnen sich allerdings \u00e4ndern.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Das Projekt bleibt unvollst\u00e4ndig und exemplarisch<\/strong><br \/>Eine didaktisch-methodische Bearbeitung einzelner Themen mit ausf\u00fchrlichen Kommentaren und das Reflektieren grunds\u00e4tzlicher Fragen des Unterrichtens sind allerdings aus arbeitszeitlichen Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich. Sollte einmal eine Schulbeh\u00f6rde erkennen, dass ich mit meinen \u00f6ffentlichen Unterlagen und Arbeitsanleitungen weit mehr Sch\u00fcler\/innen und Student\/innen erreiche als im \u00fcblichen Klassenunterricht und eine entsprechende Abgeltung f\u00fcr diese Arbeit vorsieht, kann ich meine Ans\u00e4tze auch vervollst\u00e4ndigen und ausf\u00fchrlicher kommentieren. Ich glaube aber nicht daran, dass es soweit kommen wird.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Der Autor \u00fcbernimmt keine Gew\u00e4hr auf Richtigkeit. \u00dcber Hinweise auf Fehler bin ich nat\u00fcrlich dankbar.<\/p>\n<p><strong>Anmerkung 2021<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Text stammt aus dem Jahr 2007, lange vor Kompetenzorientierung und Zentralmatura. Inzwischen haben obige \u00dcberlegungen Eingang in den Mathe-Unterricht gefunden und die Schulb\u00fccher haben sich &#8211; mit den Aufgabestellungen der Zentralmatura &#8211; entsprechend weiter entwickelt. In meinen letzten Schuljahren habe ich daher wieder Schulb\u00fccher verwendet.<\/p>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folgende Gedanken geben einen kleinen Einblick in mein p\u00e4dagogisches Konzept als Mathematiklehrer. Es wird zu viel gerechnet&#8222;Es wird zu viel gerechnet und zu wenig interpretiert, dargestellt und begr\u00fcndet. 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